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gesprochen von Markus Kambeck

 

Spätantike Spuren bis zur ersten Erwähnung

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts dünnen die Siedlungsspure n in Grünwinkel merklich aus, um nach der Mitte des 3. Jahrhunderts dann gänzlich zu versiegen. Bedeutet dies auch ein Ende der Siedlung? Um die Mitte des 3. Jahrhunderts befand sich das Römische Reich in seiner bisher größten Krise, in deren Folge sich die römischen Truppen rechts des Rheins zurückzogen. Zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt dienten die Häuser in den „Sargäckern“ als Baustofflieferant für spätere Häuser, denn die Fundamente der römischen Häuser wurden bis auf die untersten Steine ausgebrochen.

Eine recht lebendige Darstellung der Ereignisse des Jahres 260 n. Chr. bietet Orosius 22,6. „Losgelassen werden plötzlich von allen Seiten mit Erlaubnis Gottes Völkerschaften, die zu diesem Zweck ringsherum postiert und aufgespart waren, und ungezügelt brechen sie in alle Gebiete der Römer ein. Die Germanen gelangen, nachdem sie die Alpen, Rätien und ganz Italien durchstoßen haben, bis nach Ravenna; die Germanen durchstreiften die gallischen Länder und ziehen ebenfalls nach Italien hinüber ; Griechenland, Makedonien, Pontus und Kleinasien werden durch Überflutung mit Goten vernichtet; Dakien jenseits der Donau geht auf immer verloren; Quaden und Sarmaten verwüsten die pannonischen Länder; weiter im Inneren wohnende Germanen bemächtigen sich Spaniens und machen es kahl; die Parther nehmen Mesopotamien weg und plündern Syrien aus.“

Ist in diesem Zusammenhang auch das Ende Grünwinkels gekommen? Bislang fehlen entsprechende Funde, die auf ein Bestehen im 4. Jahrhundert deuten.

Während aber in Grünwinkel keinerlei Siedlungsspuren zu verzeichnen sind, wurden in dem benachbarten Knielingen und Daxlanden wiederholt spätantike und völkerwanderungszeitliche Funde und Befunde beobachtet. Ei n umfangreicher Bestand spätantiker Münzen vom Ende des 3. und des 4. Jahrhunderts wurden im Gewann „Fritschlach“ gefunden. Gestützt auf die topographische Situation ist es jedoch wahrscheinlich, dass dieser Teil von Daxlanden ehemals linksrheinisch lag. Eine solche veränderte topographische Situation wird auch für das nahe bei Au am Rhein gelegene Illingen nicht ausgeschlossen. Dort wurde ein Leugenstein, ein Meilenstein, in einem Altrheinarm bei Illingen geborgen. Die Inschrift verweist in das Jahr 269/270 n. Chr., also in ei ne Zeit, von der traditionell ausgegangen wird, dass das rechtsrheinische Obergermanien nicht mehr Teil des Imperium Romanum war.

Daher ist nicht auszuschließen, dass sich der Aufstellungsort ursprünglich links des Rheines befand, und eine Verlagerung des Flusslaufes die Fundstelle nun rechts des Rheines erscheinen lässt.

Ähnlich kompliziert verhält es sich auch mit den Hinweisen auf eine nachrömische Siedlung in Daxlanden. Der Ort wurde erst im 17. Jahrhundert nach einer Flutkatastrophe an seinen heutigen Standort verlagert. Zwar wurden in Rappenwört Funde wie eine Brakteatfibel, eine scheibenförmige Gewandspange aus Gold und Bronze (frühestens 5. Jahrhundert n. Chr.}, geborgen, doch sind diese nicht ohne weiteres ein Hinweis auf eine Siedlung, da eine Verlagerung der Funde nicht auszuschließen ist. Diese ist aufgrund der topographischen Situation im weiter östlich abgeschwemmten Gewann „Fritschlach“ zu lokalisieren.

Brakteatenfibel. Gewandspange mit Darstellung eines Männerkopfes. Während die Kopfdarstellung auf römische Münzbilder zurück geht, entspricht der verkuürzt abgebildete Körper germanischen Bildvorstellungen.

Brakteatenfibel. Gewandspange mit Darstellung eines Männerkopfes. Während die Kopfdarstellung auf römische Münzbilder zurück geht, entspricht der verkuürzt abgebildete Körper germanischen Bildvorstellungen.

Außerdem war man 1896 etwa 750 m östlich des heutigen Ortskerns auf geostete Reihengräber mit Schwertern gestoßen. Zwar sind die Hinweise auf das Gräberfeld recht vage, doch ist eine entsprechende merowingerzeitliche Siedlung in der Nähe plausibel. Entsprechend der Gräber ist diese sicher jedoch östlich der Alb auf einer Niederterrasse zu lokalisieren.

Erst im 15. Jahrhundert stehen wieder gesicherte Informationen über die Geschichte Grünwinkels zur Verfügung. So findet 1468 die Belehnung eines 100 Morgen umfassenden Hofes Kregen Winckel Eingang in ein markgräflich baden-badisches Zinsbuch.