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gesprochen von Markus Kambeck

 

Vorgeschichte

Im Kraichgau und im Ettlinger Raum führen die ältesten Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen bis in die Steinzeit zurück. Ungleich jünger hingegen sind die Spuren im heutigen Karlsruhe besonders in Grünwinkel und den benachbarten Gemarkungen wie Knielingen oder Neureut. Hier stammen die ältesten Spuren aus der Bronzezeit. Bezeichnend für diesen Zeitabschnitt ist die richtiggehende Nutzung von Metall anstelle von Stein als Werkstoff. Wurde ursprünglich als neuer Werkstoff Kupfer verwendet, so kam später die namensgebende Bronze zum Einsatz. Diese besteht aus einer Legierung aus ca. 90%Kupfer und 10% Zinn.

Die Nutzung und Produktion von Kupfer bzw. Metall bedingte eine Vielzahl von Entwicklungen im Bereich der Werkzeuge, der Geräte, der Waffen und bei der Schmuckherstellung. Ebenso konnte in „Serie“ produziert werden und es war außerdem möglich, beschädigte und unbrauchbar gewordene Metallgegenstände zu recyceln.

Von der frühen Bronzezeit (2200-1500 v. Chr.) zeugt ein Depotfund aus Knielingen. Zu diesem Depot, das bei Erdarbeiten kurz vor dem Ersten Weltkrieg geborgen wurde, gehören ein Bronzebarren und mindestens zwei Randleistenbeile. Ein drittes, wohl zu diesem Komplex gehörendes Beil wurde beim Bau des Schwemmkanals gefunden. Zusätzliche Informationen über die Fundumstände existieren nicht.

Hinweise auf eine vorrömische Besiedlung in der näheren Umgebung von Grünwinkel sind generell gering. Mehrere nicht genauer als bronze- oder eisenzeitlich einzuordnende Fundstellen stammen aus Knielingen, Rüppurr und Durlach. In der frühen Latenèzeit, d. h. in der jüngeren Eisenzeit, verbessert sich die Fundsituation. Benannt nach dem Fundort Latène am Neunburger See in der Schweiz, ist dieser Abschnitt der Vorgeschichte geprägt u. a. durch die Verwendung von Eisen und durch mehrere technische Neuerungen, zu denen die schnelldrehende Töpferscheibe zählt.   Ebenso ist es möglich, den Namen der Bevölkerung zu nennen. Die zeitgenössischen Schriftquellen wie Herodot sprechen von Kelten. Entsprechende Hinweise für die keltische Zeit stammen aus Knielingen. Dort war man 1911 in dem Gewann „Bein“ oder „Kriegsäcker“ auf ein Gräberfeld mit zehn Bestattungen aus der jüngeren Eisenzeit gestoßen. In der Nähe des Bestattungsplatzes ist auch die dazugehörige Siedlung anzunehmen. Diese wurde bislang nicht lokalisiert. Möglicherweise ist die Siedlung mit einer Furt über den Rhein in Verbindung zu bringen, was aufgrund der verkehrsgünstigen Lage für eine bedeutendere Niederlassung sprechen dürfte. Außerdem sind mehrere keltische Einzelfunde aus Knielingen bekannt. 1868 wurde ein Eisenschwert und wenige Jahre später ein offener Bronzehalsring gefunden. Schwert und Halsring sind aufgrund von Form und Verzierung der Latènezeit   zuzuordnen. Bei beiden Funden wird angenommen, dass es sich ursprünglich um Grabinventare, möglicherweise zu dem oben erwähnten Gräberfeld gehörend, handelte

Halsring aus Bronze im Grab einer keltischen Frau. Der Fund verweist in die Zeit um 300 v. Chr. und stammt aus dem Gewann

Halsring aus Bronze im Grab einer keltischen Frau. Der Fund verweist in die Zeit um 300 v. Chr. und stammt aus dem Gewann „Bein“ oder „Kriegsäcker“.

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Im 1. Jahrhundert v. Chr. dünnen im rechtsrheinischen Gebiet die Spuren einer keltischen Besiedlung aus. Da zwischen der keltischen und der römischen Besiedlung keine zeitliche Kontinuität zu verzeichnen ist, kommt die römische Besiedlung im Raum Karlsruhe einer neuen Platznahme gleich.