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gesprochen von Markus Kambeck

 

Die Revolution und ihre Folgen

Die Verlierer der Revolution wurden verfolgt, gerichtlich belangt und zu hohen Zuchthaus­ und Gefängnisstrafen verurteilt. Sie standen jahrelang unter polizeilicher Aufsicht und unter Hausarrest. Mit Gefängnisstrafen allein war es aber nicht getan. Die Kosten des Aufstandes, nach einer Schätzung des Finanzministeriums mehr als drei Millionen Gulden, wurden auf verurteilte Teilnehmer an der Revolution abgewälzt, der Einzelne je nach Grad der Verwicklung mit Entschädigungsforderungen konfrontiert, die oft den Ruin der betroffenen Familien bedeutete.33 Nach einer späteren amtlichen Berechnung haben die Unruhen 1848/49 im Land Baden 7.564.000 Gulden gekostet.

Für die Revolutionsschäden musste das badische Volk mit einer Vermögenssteuer auf­ kommen. Außerdem musste es die Kosten für die Einquartierung und Verpflegung der preußischen Truppen tragen.

Am 23. Juli sind sämtliche Vereine als nicht mit der »Staatsordnung« vereinbar für aufgelöst erklärt. Gleichzeitig wurde die Pressezensur wieder eingeführt, wer Kritik am Vorgehen der preußischen Besatzungsarmee und der großherzoglichen Behörden äußerte, wurde unterdrückt. Tanzveranstaltungen, ja jede kulturelle Versammlung war, wenn überhaupt, nur unter strengen Auflagen erlaubt.

Der Kriegszustand wurde bis 1. September 1852 beibehalten. Am 20. September 1856 bot Großherzog Friedrich allen Refraktären (Widerspenstiger, Ungehorsamer) und Deserteuren bei Rückkehr ins Land binnen sechs Monaten Generalpardon an. Durch landesfürstliche Entschließung vom 9. Juli 1857 erfolgte die Begnadigung derer, die im Zusammenhang mit den Ereignissen 1848/49 „des Hochverrats, der Widersetzlichkeit, öffentlicher Gewalttätigkeit oder des Aufruhrs“ für schuldig befunden wurden, wenn sie „Reue erklärten“. Am 7. August 1862 wurde schließlich erneut ein Straferlass wegen politischer Verbrechen bewilligt.

Viele Teilnehmer an der Revolution verließen enttäuscht ihre Heimat und wanderten aus, teilweise gezwungenermaßen, indem sie bei Gerichtsverhandlungen „zur Auswanderung“ begnadigt wurden. Die badische Regierung förderte die Auswanderung ihrer politischen Gegner. Die nachfolgende Tabelle zeigt das Ansteigen der Auswanderungswelle nach der Revolution deutlich auf:

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Die Zahl der Auswanderer liegt für 1840 bis 1849 nur in einer Gesamtsumme vor. In der Zeit von 1848- 1859 wanderten rund 80.000 vor allem nach Nordamerika aus, aber auch nach Afrika, Brasilien, Kanada und Australien.