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gesprochen von Markus Kambeck

 

Peter Knötzele

Von der frühen Besiedlung zur ersten Urkunde

 

Erste Beobachtungen und archäologische Ausgrabungen

Informationen über das Leben in einer Siedlung oder über die Geschichte einer Siedlung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit zu gewinnen, ist aufgrund fehlender oder nicht ausreichender schriftlicher Zeugnisse nicht einfach. In Grünwinkel stammen die frühesten schriftlichen Zeugnisse, die den Namen der Siedlung nennen und über sie informieren, aus den Jahren 1468 bzw. 1583.1 Wie sah aber Grünwinkel vor 1468 aus? Hier ist die Archäologie gefordert, dem Bodenarchiv Erkenntnisse zu entlocken, um Licht in die vorangegangenen Jahrhunderte zu bringen. Die Archäologie versucht in der Regel, anband von „alten Scherben und Knochen“, von Mauern bzw. Gebäuderesten sowie alten Gräbern ein Bild der damaligen Siedlung und dem Leben der dazugehörigen Menschen zu entwerfen; sie versucht, die durch das Fehlen schriftlicher Zeugnisse entstandene Lücke zu schließen.

Meldung der Fundstelle

Meldung der Fundstelle „Sargäcker“ im Jahr 1897 durch Alfred Bonnet.

Die Erforschung der archäologischen Hinterlassenschaften von Grünwinkel setzt im Vergleich mit den benachbarten Gemarkungen verhältnismäßig spät ein und gilt der römischen Vergangenheit. Für die benachbarte Siedlung Knielingen werden bereits für April 1850 „ca. 300 Schritte unterhalb der Militärschwimmschule Spuren eines römischen Mauereckes sowie Münzen von Tetricus, Probus und Magnentius aus der Siedlung bekannt; aus dem Jahr 1850 stammt der Fund einer Statue der Diana Abnoba aus Sandstein“. Die frühesten Fundbeobachtungen aus Grünwinkel, die dem damaligen Großherzoglichen Konservator gemeldet wurden, erfolgten durch den Karlsruher Ingenieur Alfred Bannet im Jahr 1897. „Dieser offensichtlich betuchte Privatier hat- von der großen Leidenschaft für die heimische Archäologie stark beseelt – auf eigene Kosten und im Auftrag des Altertumsvereins in den wenigen Jahren (1896-1900) eine große Anzahl von Fundstellen entdeckt und ausgegraben.“ Seine Beobachtungen nennen an dem Fußweg von Grünwinkel nach Daxlanden „Leistenziegel, Heizröhrenstücke, Tonscherben, auch Terra Sigillata, Amphorenhenkel usw., die als Hinweis auf drei bis vier einzelstehende Gebäude gewertet wurden.“ Dem Volksmund und der Sage nach soll hier ein Kloster gestanden haben, welches durch unterirdische Gänge mit Ettlingen und Gottesau verbunden war.

Auf römerspuren - eine Pressemittleilung von 1947.

Auf Römerspuren – eine Pressemittleilung von 1947.

1897 war man außerdem auf Holzkohle, verbrannte Knochenreste sowie stark verwitterte Scherben von etwa fünf Tongefäßen gestoßen. Möglicherweise hatte man auch die Reste eines römischen Brandgrabes entdeckt Die Angaben Bonnets fanden Eingang in der Auflistung der vor- und frühgeschichtlichen Funde in Baden von 1911 vom Großherzoglichen Konservator Ernst Wagner. Ursprünglich wurden die genannten Funde und Mauern für die Reste eines römischen Gutshofes gehalten. Eine Revision dieses Bildes ist den 1920er Jahren zu verdanken, als weitere Ausgrabungen- ausgelöst durch die Anlage der neuen Albsiedlung – notwendig wurden. Bislang zählen diese Ausgrabungen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Weimarer Republik zu den größten in Karlsruhe je durchgeführten archäologischen Maßnahmen. Die archäologischen Untersuchungen des Badischen Landesmuseums zwischen 1922 und 1927 ergaben, dass es sich bei den Ruinen vielmehr um die Reste einer römischen Siedlung (vicus), denn um die Ruinen eines Gutshofes handeln muss. In der Konradin-Kreutzer-Straße 13/14 wurden die Mauerreste eines Kellers angeschnitten. Der Kellerraum enthielt mehrere bedeutsame Funde. Das Bild von der römischen Siedlung wurde durch die Straßenbaumaßnahmen in den folgenden Jahren erweitert: Bei den Bauvorhaben war man auf römische Bestattungen gestoßen, die einen beliebigen Ausschnitt eines Gräberfeldes bilden. Die Untersuchungen des Gräberfeldes fanden ihren Niederschlag mehrfach in der damaligen Zeitung. Und auch Hinweise auf einen Industriebetrieb fanden sich in jenen Jahren – drei Ziegelbrennöfen konnten in der Silcherstraße freigelegt werden.

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Um weitere Informationen über die einstige Römersiedlung zu erhalten, wurde 1947 sogar die lokale Presse eingeschaltet. Unter dem Titel „Auf Römerspuren“ wurde über neuerliche Funde aus Grünwinkel berichtet und Finder aufgefordert, sich unter der Telefonnummer 4783 an das Landesamt für Ur- und Frühgeschichte in Karlsruhe zu wenden und ihre „Schätze“ den Archäologen vorzulegen. Spätere Baustellen wurden nicht mehr beobachtet oder archäologisch begleitet, was die ausschnitthafte Kenntnis des römischen Grünwinkels zusätzlich erklärt. Sehr viele Hobby-Sammler machten sich in den 1930er Jahren daran, in dem Gebiet der Albkapelle nach römischen Funden zu graben. Leider musste das der 13jährige Sohn des Zahnarztes Otto Schwarz (EckenerstraBe 23) mit dem Tod bezahlen. Er hat 1932 und 1933 umfangreiche Funde geborgen. Am Silvestertag 1934 wurde er beim Graben durch nachrutschende Sandmassen verschüttet. Die Funde blieben als Andenken bei der Familie. Selbst im 21. Jahrhundert finden sich noch Spuren der römischen Vergangenheit. Fast verblasst, aber trotzdem noch zu erkennen, ist der einstige Name eines Lokals nahe Kreuzung Eckener-/Zeppelinstraße: Der „RÖMERHOF“ (heute Rim Wang) steht an historischer Stätte. Besser erhalten aber nahezu vergessen ist ein konservierter und begehbarer Ziegelbrennofen in der SilcherstraBe 17, der 1926 mittels Schutzbau überdacht wurde.

Der Ziegelbrennofen im Garten der Silcherstraße 17 liegt etwa zwei Meter tief unter der Erde. Er ist mit einem Schutzbau abgedeckt. Mitglieder der

Der Ziegelbrennofen im Garten der Silcherstraße 17 liegt etwa zwei Meter tief unter der Erde. Er ist mit einem Schutzbau abgedeckt. Mitglieder der „Chronik-Gruppe“ bei einer Besichtigung am 31. Januar 2005.