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gesprochen von Markus Kambeck

 

Grünwinkler Teilnehmer an der Revolution

Es werden hier die Personen vorgestellt werden, die an der Revolution beteiligt waren. Aber auch ihr Schicksal nach der Revolution wird gezeigt, das oft die gesamte Familie betraf. An der Revolution waren beteiligt:

Muff Friedrich ist Gefangener in den Kasematten in Rastatt. In einem Verzeichnis „der den Gefangenen in Fort A,B + C abgenommenen Gelder und Pretiosen“ (Sachen von hohem Wert, Kostbarkeiten, Geschmeide) wird Friedrich Muff aufgeführt. Ihm werden eine silberne Uhr und 4 Gulden 2 Kreuzer abgenommen. In diesem Verzeichnis sind weitere Vermerke zur Angehörigkeit im badischen Heer gemacht. Bei Friedrich Muff fehlt ein solcher Hinweis. Vermutlich ist er der einzige Grünwinkler Freischärler gewesen.

Neumayer Georg ist Soldat im Leib-Infanterie-Regiment. Er gehörte zu den Angehörigen der Revolutionsarmee, die sich im Juli 1849 in die Schweiz absetzten. Am 16. August 1849 berichtet die Großherzogliche Gesandtschaft in der Schweiz an das Großherzogliche Bezirksamt Lörrach, dass einzelnen Flüchtlingen, welche die Erklärung abgeben, auf geradem Wege in ihre Gemeinde zurückzukehren und sich dort unmittelbar auf dem Bürgermeisteramt melden, von der Großherzoglichen Gesandtschaft ein Ausweis zur Einreise in das Großherzogtum Baden ausgestellt wird. Einen solchen Ausweis erhält Georg Neumayer. Er reist bei Efringen ein.

Prandli Rudoph ist Soldat der 9. Kompanie des 3. lnfanterieregiments. Er wird ab 29. Juli 1849 als Gefangener im Rastatter Fort C aufgeführt. In diesem Verzeichnis sind weitere 761 Gefangene aufgeführt.

Rolle Johann ist Soldat der Artillerie. Er wird ab 29. Juli 1849 als Gefangener im Rastatter Fort C aufgeführt. 1.565 Gefangene sind in diesem Verzeichnis aufgeführt.

Eisele Johann gehört als Soldat der Revolutionsarmee an. Er erhält am 21. November 1849 einen Ausweis zur Einreise von der Schweiz nach Baden und reist bei Efringen ein.

Bleich Johann ist Trommler beim Leib-Infanterie-Regiment. Im Juli 1849 flüchtet er in die Schweiz und ist nach Angaben vom 18. Dezember 1849 in Morges im Kanton Vaad. Das Großherzoglich Badische Landamt Karlsruhe übersendet der Großherzoglich Badischen Gesandtschaft in Bern einen vorgeschriebenen Reiseausweis für den Soldaten Johann Bleich. Der Ausweis wird ihm am 22. Dezember 1849 ausgehändigt. Er kehrt jedoch nicht in das in das Großherzogtum Baden zurück. Wie viele der in die Schweiz geflüchteten Revolutionäre zieht er es vor, über Frankreich nach Nordamerika auszuwandern.

Am 8. Januar 1874 stellte der Taglöhner Jacob Bleich beim Großherzoglichen Oberamtsrichter Nebenius in Karlsruhe den Antrag, seinen Bruder Johann Georg Bleich für verschollen zu erklären, da dieser seit 25 Jahren abwesend und sein Aufenthaltsort unbekannt sei. Der Gemeinderat von Grünwinkel wurde aufgefordert über Johann Georg Bleich zu berichten und tat dies am 20. Januar 1874 folgendermaßen:

„Der Aufenthaltsort des Johann Georg Bleich ist nicht bekannt. Da Johann Georg Bleich Soldat war und der Aufforderung des Großherzoglichen Landamts Karlsruhe vom 26. April 1856 keine Folge geleistet hat, wurde derselbe des Staats- und Bürgerrechts verlustig und des Desertierens (für) schuldig erklärt und (er) vorbehaltlich seiner persönlichen Bestrafung im Betretungsfalle in die gesetzliche Geldstrafe von 1.200 Gulden verfällt“.

In der Karlsruher Zeitung vom 12. Februar 1874 wurde Johann Georg Bleich öffentlich aufgefordert, seinen Aufenthaltsort „zur Kenntnisnahme anher zu geben, widrigenfalls er für verschollen erklärt und sein Vermögen seinen nächsten erbberechtigten Verwandten in fürsorglichen Besitz übergeben wird“.

Am 16. August 1875 wurde Johann Georg Bleich für verschollen erklärt und seinem Bruder Jacob das bis dahin durch einen Abwesenheitspfleger verwaltete Vermögen übergeben.

Knäbel Ulrich ist seit 1. August 1843 Schullehrer in Grünwinkel und begleitet das Amt des Ratschreibers. Er bezieht im 1. Halbjahr 1849 den „Volksführer“ vom Volksverein in Mühlburg. Das Abonnement einer demokratischen Zeitung war ein Verdachtsmoment, der weitere Ermittlungen nach sich zog. „Es lässt sich ziemlich auf die Geistesrichtung der Abonnenten der revolutionären Zeitungsblätter schließen und ich habe mir daher durch die Direktion ein Verzeichnis derjenigen geben lassen, welche vor Ausbruch der Revolution den „Volksführer“, die „Republik“ oder den „Verkündiger“ gehalten haben“ schreibt am 2. Oktober 1849 der Großherzogliche „General Commissär“ bei dem Oberkommando der Königlich Preußischen Armee an den Großherzoglichen Katholischen Oberkirchenrat. Diesem Schreiben ist ein Verzeichnis angehängt, in dem Lehrer und Geistliche aufgeführt sind, die die genannten Zeitschriften abonniert hatten. In diesem Verzeichnis ist auch Ulrich Knäbel erwähnt. In einem weiteren Verzeichnis ist Ulrich Knäbel zusammen mit Schullehrer Weeber aus Mühlburg genannt. Nach einem Beschluss der Großherzoglich badischen Regierung wurden Pfarrer und Lehrer, die vom badischen Hofgericht wegen Teilnahme an der Revolution verurteilt wurden, ihrer Ämter enthoben. Ulrich Knäbel begleitet noch bis 1852 sein Amt als Schullehrer und als Ratschreiber. Die Vorwürfe gegen ihn dürften deshalb nicht schwerwiegend gewesen sein. 1852 wird Schullehrer Knäbel versetzt. Ob diese Versetzung ursächlich mit dem Sympathisieren mit dem „revolutionären Gedankengut“ zusammenhängt, ließ sich aus den Akten nicht feststellen.

Sinner Georg,   geboren am 8. April 1823, ist ein begeisterter Anhänger der freiheitlichen Gedanken, die in den 1848/49er Jahren die Menschen erfüllen. Von einer aktiven Teilnahme an den Ereignissen hält er sich fern. Trotzdem hält er es für geboten, beim Vordringen der preußischen Truppen vorübergehend außer Landes zu gehen. Eine seiner Schwestern, Karoline (Lina genannt), heiratet später Carl Emil Sigel, den Bruder von Franz Sigel. Franz Sigel war Generaladjudant und Stellvertreter Ludwik Mieroslawskis und übernahm nach dessen Rücktritt seine Nachfolge. Nach den schweren Niederlagen der Revolutionsarmee ging Sigel nach mehreren Rückzugsgefechten mit dem Rest der badischen Revolutionsarmee am 11. Juli über den Rhein auf Schweizer Gebiet. Dort hielt er sich im Kanton Thurgau, in Zürich und in Bern auf und hatte meistens seinem jüngeren Bruder Carl Emil bei sich. Über Frankreich gelangte Franz Sigel nach England und emigrierte 1852 in die USA. Beim Ausbruch des amerikanischen Sezessionskrieges 1861 stellte sich Sigel auf die Seite der Nordstaaten, avancierte zum General und wurde Idol der deutschstämmigen Soldaten in der Nordstaatenarmee. Eine Gedenkplatte an der Ostseite der Friedhofskapelle erinnert noch heute an Emil und Karoline Sigel.