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gesprochen von Markus Kambeck

 

Schlussbetrachtung

Die Haltung von Grünwinkel während der Revolution ist eindeutig. Der Gemeinderat und damit auch die Mehrheit der Gemeindemitglieder Grünwinkels waren der Revolution mißtrauisch, wenn nicht sogar abgeneigt gegenüber gestanden. Dies lässt sich daraus schließen, dass die Gemeinderatsämter auch nach der Revolution mit den gleichen Personen besetzt waren. So urteilt der Vorsteher des Landamtes Karls­ruhe anlässlich einer Gemeindevisitation im Jahr 1852: „Bürgermeister Joseph Kuhm ist ein sehr gediegener, umsichtiger, politisch gut gesinnter und braver Mann; er ist seit 9 Jahren im Dienste und zu bedauern, dass er bei seinem guten Willen, bei seiner „curagen“ und „fainen“ Art nicht einen Wirkungskreis in einer größeren Gemeinde hat“.

Wer waren nun aber die Menschen, die sich aktiv an der Revolution beteiligten? Es waren die unteren sozialen Schichten, die sich von der revolutionären Bewegung eine Verbesserung ihrer Lage erhofften. Es waren Taglöhner und ärmere Handwerker, Menschen mit nur geringem oder überhaupt keinem Besitz und das badische Militär. Die namentlich Revolutionäre aus Grünwinkel unterschieden sich somit soziologisch nicht von der gesellschaftlichen Zusammensetzung der gesamten aktiven Freiheitskämpfer. Zu den führenden Revolutionären, deren gesellschaftliche Schichtung ganz anders aussah, gehörte kein Grünwinkler.

Die Revolution und die anschließende Besetzung Badens durch die Preußen haben zu einer wirtschaftlichen Lähmung des Landes geführt. Das gesellschaftliche und politische Leben war durch Kontrollen stark eingeengt. Die badische Regierung lebte in einer Dauerangst vor dem Eindringen staatsgefährdender Revolutionäre aus dem Ausland. Bis zum 1. September 1852 blieb Baden unter preußischem Kriegsrecht, und die badische Armee wurde zunächst aufgelöst und das Offizierskorps einer genauen Überprüfung unterzogen. Über die Stimmung im Lande unter preußischer Führung gibt bis heute „Das badische Wiegenlied“ des Revolutionärs Ludwig Pfau Auskunft „und wer nicht schläft in guter Ruh, dem drückt der Preuß die Augen zu“.

Viele Landsleute flohen schon bei der Besetzung Badens durch die Preußen ins Ausland, darunter sehr viele Armeeangehörige, denen keine andere Wahl blieb, als auszuwandern. Hierbei waren die Gemeinden von Regierungsseite aufgefordert, diese „Auswanderungswilligen“ finanziell zu unterstützen. Auch nicht aktiv an der Revolution beteiligte Mitbürger sahen aufgrund ihrer sozial schwachen Lage ebenfalls keinen anderen Ausweg, als eigene Initiative zu ergreifen und auszuwandern. Auch diese Auswanderer wurden anfänglich von den Gemeinden finanziell unterstützt. Die Gemeinden waren froh, diese „im Abseits des Lebens stehenden Menschen“ loszuwerden.