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gesprochen von Markus Kambeck

 

Peter Forcher, Bertold Kunz, Harald Ringler, Gerhard Seiler und Heribert Scherer

Städtebauliche und verkehrliche Entwicklung

 

Siedlungsraum und Straßennetz

Der Raum Karlsruhe wird innerhalb der Oberrheinebene durch fünf naturräumliche Einheiten bestimmt. Grünwinkel gehört zur Oberen Hardt als Teil der Rheinniederterrasse in der Rheinebene. Diese reicht von der Bruchkante, dem Hochgestade, im Westen bis zur Kinzig­ Murg­Niederung im Osten. Daran folgen die Vorbergzone mit dem Kraichgau und die Ausläufer des Nordschwarzwaldes. Der Landschaftsraum dieses Teils der ebenen Niederterrasse ist bestimmt durch den früher durchgängig landwirtschaftlich genutzten Freiraum zwischen dem Hochgestade und dem von Süden reichenden Hardtwald. Im Norden durchzieht die Alb die Landschaft und führt bogenförmig nach Süden um Grünwinkel herum, um dann wieder nach Norden zu fließen. Die Sand­ und Kiesböden und der verhältnismäßig niedrige Grundwasserstand bieten guten Baugrund.

Heute ist Grünwinkel in die Gesamtstadt integriert und weitgehend von Siedlungsgebieten unterschiedlicher Nutzungen umgeben. Im Westen erstreckt sich Daxlanden bis zum Rhein. Das Hafengebiet gehört zu Mühlburg. Dieser Stadtteil ist wie die Weststadt durch die Südtangente von Grünwinkel getrennt. Bulach und Oberreut bilden die östlichen Nachbarn. Die Forchheimer Gemarkung schließt an die alte Heidenstückersiedlung an. Die Alb mit ihrem begleitenden Grün, der Landschaftsraum an der südlichen Gemarkungsgrenze so wie die Forstfläche östlich der Heidenstückersiedlung bestimmen weiterhin die landschaftliche Charakteristik dieses Stadtteils. War noch das alte Grünwinkel im Wesentlichen von freien Flächen umgeben, so ist der heutige Siedlungsraum Teil einer Großstadtlandschaft.

Die geografische Lage von Grünwinkel an der überörtlich bedeutsamen Straße parallel zum Rhein bestimmte seine Charakteristik als Straßendorf. Grünwinkel war wie Ötigheim, Bietigheim, Durmersheim, Mörsch und Forchheim im Süden und Mühlburg, Neureut, Eggenstein, Leopoldshafen, Linkenheim und Hochstetten im Norden – um die Orte der weiteren Umgebung zu nennen – bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine Siedlung auf dieser Nord­Süd verlaufenden verkehrlichen „Perlenschnur“. Bereits die Römer bauten rechts des Rheins neben der am Fuß der Vorbergzone verlaufenden Straße eine weitere parallel zum Rhein verlaufende Verkehrsverbindung, an der Ansiedlungen entstanden. Dahin gehende archäologische Funde in Grünwinkel weisen auch hier auf eine römische Siedlung hin.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist Grünwinkel noch immer das Straßendorf südlich von Mühlburg.

Die heutige Stadtteilgrenze Grünwinkels ist rot markiert, die Gemarkungsfläche zum Zeitpunkt der Eingemeindung ist schwarz umrandet.

Die heutige Stadtteilgrenze Grünwinkels ist rot markiert, die Gemarkungsfläche zum Zeitpunkt der Eingemeindung ist schwarz umrandet.

Die in der Luftlinie gemessene Entfernung zwischen Grünwinkel und der Karlsruher Stadtmitte beträgt um 3,5 Kilometer. Die Straßenanbindung erfolgte anfangs nur über Mühlburg und war damit einiges länger. Kürzer war ein Fußweg durch den Bulacher Bannwald vorbei an der Militärschwimmschule in die Karlsruher Weststadt. Mit der Eröffnung des Westbahnhofs 1893 und des dort gelegenen Industriegebiets, mit der die Erweiterung der Stadt Karlsruhe in Richtung Westen vorangetrieben wurde, erfolgte neben der bisherigen Anbindung an die Residenz über Mühlburg ein weiterer Anschluss über die neue Grünwinkler Straße. Diese führte seinerzeit vom Kühlen Krug bis zum damaligen Bahnübergang. Heute überspannt die Grünwinkler Brücke diesen Abschnitt und ist Teil der Zeppelinstraße. Die mit dem 1962 fertiggestellten Bau der Vogesenbrücke verbundene Verlegung der überörtlichen Nord­Süd­Verbindung und der damit verbundenen Funktion einer Bundesstraße (B 36) aus der Durmersheimer Straße in die Eckenerstraße führte zur Verminderung der überörtlichen Bedeutung der Ortsdurchfahrt. Die Funktion einer Hauptverkehrsstraße innerhalb des Karlsruher Verkehrsnetzes im Zusammenhang mit der Zeppelinstraße und Pulverhausstraße ist geblieben. Diese Straßen stellen seit jeher die Ortsverbindung zwischen Bulach und Daxlanden dar.

Karlsruhe und Umgebung um 1860 (Ausschnitt).

Karlsruhe und Umgebung um 1860 (Ausschnitt).

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Karslruhe und Umgebung um 1913 (Ausschnitt).