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gesprochen von Markus Kambeck

 

Sportzentrum Südwest Hardeck-Oberreut 1950 e.V.

In den ersten Jahren nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges war für die junge Generation der ab 1932 entstandenen Hardeck-Siedlung das Café Schmider beliebter Treffpunkt und Anlaufstation. Einige junge Männer aus der Siedlung spielten in jener Zeit bereits Fußball in Grünwinkel und Mühlburg. Im Café Schmider wurde schließlich die Idee geboren, eine „Siedler- elf“ zu gründen. Am 9. Juni 1950 war es dann soweit: 54 Personen gründeten im Stammlokal Café Schmider den Fußballsportverein Hardeck (FSV). Die Vereinsgründung löste einen ungeheuren Elan und Arbeitseinsatz aus. Auf einem von der Stadt in unmittelbarer Nähe der heutigen Sportanlage zur Verfügung gestellten Gelände am damaligen Waldrand wurde in vorbildlicher und hingebungsvoller Eigenarbeit die erste Sportstätte angelegt, wobei es sich situationsbedingt um einen wenig komfortablen Sandplatz handelte. Bereits am 2./3. September 1950 konnte der neue Sportplatz ein- geweiht werden. Folgerichtig nahm der junge Verein auch erstmals am Spielbetrieb des Fußballkreises Karlsruhe in der Saison 1950/51 teil.

Der FSV entwickelte sich in der ersten Zeit nach der Gründung ansprechend. Bereits ein Jahr nach der Entstehung gehörten dem Verein 113 Mitglieder an. Zum Spielbetrieb konnten bald zwei Seniorenmannschaften und eine Jugendmannschaft angemeldet werden. Mit dem raschen Bau eines Vereinsheimes wurde der damalige Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist des FSV erneut sehr augenfällig bewiesen.

Die 1. Mannschaft des FSV Hardeck im Gründungsjahr 1950, aufgenommen auf dem alten Sportplatz.

Die 1. Mannschaft des FSV Hardeck im Gründungsjahr 1950, aufgenommen auf dem alten Sportplatz.

Die Mannschaft der Alten Herren des FSV Hardeck 1963.

Die Mannschaft der Alten Herren des FSV Hardeck 1963.

Die 1. Mannschaft des FSV Hardeck 1973.

Die 1. Mannschaft des FSV Hardeck 1973.

Die ursprünglich erfolgreiche Jugendarbeit musste 1954 mangels Nachwuchsspielern fast vollständig eingestellt werden. Erst 1957 gelang es wieder, genügend Jugendliche für einen Spielbetrieb zu gewinnen. Der Bau der Wohnsiedlungen in der Edelbergstraße und Hermann-Leichtlin-Straße bescherte dem Verein einen enormen Zulauf an Jugendspielern. 100 Nachwuchskicker, aus denen sich zeitweise sieben Mannschaften der Schüler- und Jugendklassen rekrutieren, forderten den Verein damals ungemein in finanzieller und personeller Hinsicht. In jener Zeit verfügte der FSV neben seinen Jugendmannschaften über eine 1. und 2. Mannschaft, eine AH-Mannschaft und kurzzeitig sogar über eine Damenmannschaft. Durch den umfangreichen Spielbetrieb war eine Erweiterung der damaligen Sportstätte unausweichlich. Das Jahr 1962 bedeutete in der Vereinsgeschichte dann eine Zäsur: Der FSV siedelte auf die heutige Sportanlage um und baute auf diesem Areal, selbstverständlich erneut in Eigenarbeit, ein Vereinsheim. Obwohl immer wieder die besten Spieler aus dem Kader der 1. Mannschaft von höherklassigen Vereinen abgeworben wurden, sicherte die gute Jugendarbeit im Seniorenbereich eine für die B-Klasse ansprechende Spielstärke. 1981 war schließlich für den FSV in sportlicher Hinsicht ein bedeutungsvolles Jahr: Nach 30 Jahren in der B-Klasse des Fußballkreises gelang erstmals der Aufstieg in die A-Klasse.

 

Gründung einer Tennisabteilung, eines Lauftreffs und einer Basketballabteilung

Im gleichen Jahr wurde der Beschluss für die Gründung einer Tennisabteilung gefasst. Mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe konnte die Tennisanlage verhältnismäßig bald gebaut werden. Am 14./15. Juli 1984 war die offizielle Einweihung der neuen Tennisplätze Die Tennisabteilung wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Gesamtvereins und beteiligt sich seither mit mehreren Mannschaften in den diversen Altersklassen am Wettkampfbetrieb des Badischen Tennis-Verbandes.

Nicht nur durch Tennis wurde das Vereinsangebot erweitert. Unter maßgeblicher Mitwirkung des späteren Karlsruher Oberbürgermeisters Prof. Dr. Gerhard Seiler wurde im November 1983 einer der ersten Karlsruher Vereins- Lauftreffs im FSV gegründet, wodurch der Bekanntheitsgrad des Vereins eine nicht unwesentliche Steigerung erfuhr. Den Trend zu einem Mehrspartenverein förderte ebenfalls die 1987 gegründete Basketballabteilung. Basketball wurde zu einer Erfolgsgeschichte für den FSV. Innerhalb von 10 Jahren schafften die FSV-Basketballer viermal den Aufstieg. Die Erfolgsserie endete 1997 abrupt mit dem überraschenden Tod des Initiators und Abteilungsleiters Horst Kubutat. Da sich niemand im Verein fand, die Arbeit des Verstorbenen fortzusetzen, wechselte die Abteilung geschlossen zu einem Ettlinger Verein.

Infolge der Ausweitung des Sportangebotes und der kontinuierlich wachsenden Mitgliederzahl genügten derweil die beengten räumlichen Verhältnisse den gestiegenen Anforderungen nicht mehr. Durch einen Erweiterungsbau des Vereinsheimes wurden neue Räumlichkeiten für die Lauftreff-Abteilung, für ein Geschäftszimmer sowie für die Unterbringung der vereinseigenen Gerätschaften geschaffen. Im Zuge dieser Investitionen wurden die in die Jahre gekommenen Umkleide- und Sanitärräume durch grundlegende Renovierungen beträchtlich verbessert.

 

Umbenennung in Sportzentrum Südwest-Hardeck-Oberreut 1950 e.V.

Im Bereich Fußball musste der FSV nach langjähriger Zugehörigkeit zur A-Klasse in der Saison 1995/96 den Abstieg in die B-Klasse hinnehmen. Gravierender für die Zukunftsentwicklung war jedoch, dass immer weniger Jugendliche im FSV Fußball spielen wollten. Als Lichtblick in der sich abzeichnenden Misere erwies sich die angebahnte Zusammenarbeit mit der Fußballabteilung des SC Oberreut. Als sich der SC Oberreut Ende 1995 auflösen musste, verblieb dessen Fußball-Nachwuchs beim FSV. Auch die Mitglieder der Sportarten Tischtennis und Turnen des nicht mehr bestehenden SC Oberreut schlossen sich dem FSV an. Bei einer vorgezogenen Generalversammlung des FSV in jenen Tagen wurde beschlossen, den Verein in Sportzentrum Südwest-Hardeck-Oberreut 1950 e.V. umzubenennen. Durch die Integration der aus dem SC Oberreut stammenden Mitglieder verdoppelte sich schlagartig die Mitgliederzahl. Die Umbenennung des Vereinsnamens sollte bewusst zum Ausdruck bringen, dass die Orientierung des Vereins auch auf die Bevölkerung des Stadtteils Oberreut ausgerichtet ist. Als Folge der Übernahme des Vereinsheims des insolventen SC Oberreut durch den FV Grünwinkel wurden beide Grünwinkler Fußballvereine unmittelbare Nachbarn und nutzen seither für den Punktspielbetrieb das Hauptspielfeld gemeinsam.

Die 1. Fußballmannschaft errang in der Saison 1997/98 die Meisterschaft in der B-Klasse des Fußballkreises Karlsruhe und damit den bisher einzigen Titel der Vereinsgeschichte im Seniorenbereich. Mit der Meisterschaft in der B-Klasse war der Wiederaufstieg in die A-Klasse verbunden. Der Fußball-Erfolg wurde mit dem Titelgewinn der C-Jugend im gleichen Jahr komplettiert. In der folgenden Saison wäre fast sensationell der Aufstieg in die Bezirksliga geglückt. Erst im Relegationsspiel mussten die Aufstiegsträume begraben werden. Durch Spielerwechsel und Verletzungen geschwächt, verpuffte die Euphorie allzuschnell und der erneute Abstieg in die Kreisklasse B ließ sich kurz darauf nicht verhindern. In dieser Klasse agiert der Verein seither mit wechselndem Erfolg.

 

Gorodki im Blickpunkt

In den lokalen Blickpunkt rückte der Verein 2001 durch Aufnahme der bisher in Karlsruhe gänzlich unbekannten, in der ehemaligen Sowjetunion jedoch durchaus populären Sportart Gorodki. Grundgedanke des Gorodki-Spieles ist es, ähnlich dem Kegeln, fünf Holzklötzchen (GORODKI), die zu einer bestimmten Figur aufgebaut werden, mit dem Schläger (Bit) aus einer bestimmten Entfernung vom Platz rauszuschlagen. Als Gewinner des Spiels gilt derjenige Spieler, der die wenigsten Würfe zum Rausschlagen der Figuren gebraucht hat. Die Sportart wird als Einzel- und Mannschaftswettbewerb von Frauen und Männern ausgeübt. Mit städtischer Unterstützung wurden auf der Anlage des Sportzentrum Südwest Hardeck-Ober- reut Spielfelder für Gorodki eingerichtet. Verbunden damit war die Zielsetzung, die jugendlichen Spätaussiedler aus den Staaten der einstigen Sowjet Union, die sich in erster Linie für Gorodki interessierten, verstärkt gesellschaftlich zu integrieren. Vom 8. – 13. August 2006 war der Verein dann sogar Gastgeber für die erstmals in Deutschland ausgetragenen Gorodki-Weltmeisterschaften.

 

Ausblick

Gab im Jubiläumsjahr 2000 die Mitgliederzahl von 400 noch Anlass zu Stolz und Zufriedenheit, reduzierte sich mittlerweile der Mitgliederbestand auf 250 Personen (Stand 2007). Als maßgeblich hierfür werden von der Vereinsleitung in erster Linie die veränderten Kriterien der Sportförderungs-Richtlinien angesehen. Der Rückgang der Mitgliederzahlen hat selbst- verständlich auch Auswirkungen auf die Finanzsituation. Nicht wegzudenken aus dem Verein ist Bernd Gindner. Unermüdlich und mit beispielhaftem Idealismus prägt er seit Jahrzehnten das Vereinsgeschehen. Von 1962 bis 2002 fungierte er als Vereinsjugendleiter. Den Vereinsvorsitz hatte er von 1980 bis 2000 sowie erneut von 2006 bis 2008 inne.

Mit seinen Sportarten Fußball, wobei im Nachwuchs-Bereich eine Spielgemeinschaft mit dem Bulacher SC praktiziert wird, Laufen, Freizeit-Volleyball, Turnen/Gymnastik, Tischtennis, Tennis und Gorodki ist der vornehmlich auf die Stadtteile Grünwinkel und Oberreut ausgerichtete Mehrspartenverein Sportzentrum Südwest Hardeck-Oberreut bestrebt, trotz der engen finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten, den stetig wechselnden und vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden.