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gesprochen von Markus Kambeck

 

Gernot Horn

Turn- und Sportvereine

Die Mitwirkung bei einem florierenden und intensiven Vereinswesen war ein augenfälliges Wesensmerkmal der Grünwinkler Bevölkerung. So erlangten die diversen Turn- und Sport- vereine für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die körperliche Ertüchtigung der Bewohner von Grünwinkel frühzeitig eine herausragende Bedeutung. Wenn im Laufe der Zeit auch nicht alle ehemals sportlich orientierten Vereine ihre Existenz erhalten konnten, bestimmen bis heute die teilweise langjährig bestehenden und über beträchtliche Traditionen verfügenden Turn- und Sportvereine die Freizeitgestaltung weiter Bevölkerungskreise. Ohne den Turn- und Sportverein, ohne die Fußballvereine, ohne den Tennisclub und andere Vereine wäre beispielsweise das Grünwinkler Geschehen gar nicht denkbar. Das bürgerschaftliche Engagement, das die Turn- und Sportvereine auszeichnet, ist seit eh und je für das Gemeinwesen des Stadtteils gleichermaßen prägend und unverzichtbar.

Neben den heute noch bestehenden Vereinen hat es in früheren Zeiten noch weitere Sportvereine gegeben. Nach verschiedenen Publikationen soll vor dem Ersten Weltkrieg in Grünwinkel ein Radfahrerverein existiert haben. Näheres über einen solchen Verein war nicht in Erfahrung zu bringen, ebensowenig waren einschlägige Dokumente auffindbar. Dokumentiert hingegen ist die Schützengesellschaft Karlsruhe-Grünwinkel e.V. Dieser Verein ging aus der 1904 gegründeten Vergnügungsgesellschaft „Spiel und Sport“ hervor, die sich 1912 in Schützengesellschaft umbenannte. Die Schützengesellschaft war beispielsweise an Pfingsten 1933 Ausrichter des 20. Bundes-Schießens des damals existierenden 1. Badischen Zimmerstutzen-Schützenbundes. Der Verein hatte seinen Schießstand an der Alb, etwa dort, wo sich heute der Kinderspielplatz unterhalb der Wohnanlage des Mieter- und Bauvereines in der Christian-Schneider-Straße befindet. Ausweislich des Karlsruher Adressbuches bestand der Verein bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Vermutlich, bedingt durch die Nachkriegsverhältnisse, wurde der Verein nach 1945 nicht wieder gegründet.

Die 1926 bzw. 1932 gegründeten Grünwinkler Fußballvereine DJK und Blau-Weiß wurden als konfessioneller bzw. Arbeiterverein von den Nazis nach1933 verboten, hatten also nur eine verhältnismäßig kurze Lebensdauer. Den Traditionen dieser Vereine fühlt sich heute der FV Grünwinkel verpflichtet, der sich als deren Nachfolgeverein versteht. Die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Karlsruhe entstandene Sportart Ringtennis hat, zumindest räumlich gesehen, einen gewissen Bezug zu Grünwinkel. Die Söhne des letzten Müllers der Appenmühle, Jakob Fetzer, waren begeisterte Ringtennisspieler und legten im heimischen Garten ein Ringtennisfeld an. Dies be-wog den 1. Ringtennisclub Daxlanden, in direkter Nachbarschaft der Appenmühle seine Sportanlage zu errichten. Dieser Club fusionierte später mit der Ringtennisvereinigung „Rot-Weiß“ Karlsruhe, die ihre Anlage ebenfalls an der Alb, bei der Fa. Junker & Ruh hatte, wo sich heute die Trasse der Süd-Tangente befindet. Und die spielstarke Ringtennisabteilung des Karlsruher Schwimmvereins hatte ihre Felder im einstigen Vereinsbad am „Kühlen Krug“. Ringtennis-Interessenten aus Grünwinkel hatten demnach ausreichend Gelegenheit, in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes diese damals populäre Sportart zu betreiben.

Auf den Plätzen bei der Appenmühle wurde 1932 eifrig Ringtennis gespielt. Diese Aufnahme zeigt den erfolgreichen Spieler Otto Fetzer, einen der Söhne des letzten Müllers der Appenmühle, Jakob Fetzer.

Auf den Plätzen bei der Appenmühle wurde 1932 eifrig Ringtennis gespielt. Diese Aufnahme zeigt den erfolgreichen Spieler Otto Fetzer, einen der Söhne des letzten Müllers der Appenmühle, Jakob Fetzer.

Im gerade eröffenten Rheinstrandbad Rappenwört begann im September 1929 der Ringtenniswettkampf in Deutschland. Zur Erinnerung werden jährlich Pfingstturniere ausgetragen. Die Aufnahme zeigt die späteren Deutschen Meister Richard Wagner und Heiner Ketterer vom Karlsruher Trunverein 1846 im Herrendoppel-Finale des Pfingstturnieres 1959.

Im gerade eröffenten Rheinstrandbad Rappenwört begann im September 1929 der Ringtenniswettkampf in Deutschland. Zur Erinnerung werden jährlich Pfingstturniere ausgetragen. Die Aufnahme zeigt die späteren Deutschen Meister Richard Wagner und Heiner Ketterer vom Karlsruher Trunverein 1846 im Herrendoppel-Finale des Pfingstturnieres 1959.

Die Darstellung in diesem Beitrag beschränkt sich aus nahe liegenden Gründen auf solche Vereine, die ihren Ursprung in Grünwinkel haben und durch ihre Tradition und spezifische Aktivitäten im Stadtteil verankert sind. Die Vereine Rad- und Motorsportclub Karlsruhe und TSC Rot-Weiss Karlsruhe sind zwar in Grünwinkel ansässig, orientieren sich jedoch von ihrer Gründungsgeschichte und ihrem Schwerpunkt her vornehmlich nach Bulach bzw. in das Karlsruher Stadtgebiet. Berücksichtigt wurde hingegen der FC Albsiedlung 1954 e. V. trotz einer gewissen Präferenz nach Daxlanden deshalb, weil die Albsiedlung zum heutigen Stadtteil Grünwinkel gehört.

Auffällig bei der geschichtlichen Entwicklung der Grünwinkler Turn- und Sportvereine ist das ehemals ausgeprägte Mäzenatentum der Fa. Sinner sowie die ursprünglich starke personelle Einbindung dieser Firmen-Familie in den Turnverein. Untrennbar mit den Vereinen sind auch eine Reihe von Grünwinkler Gaststätten verbunden, die einst, ehe die Vereine über eigene Vereinsheime verfügten, als Vereinslokale dienten.