Audio

gesprochen von Markus Kambeck

 

Das Denkmal für die Gefallenen der Sinner AG

 Die Geschichte der Grünwinkler Denkmäler beginnt mit dem Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Brauerei Sinner AG. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war auf Gedächtnis und Ehrung der Kriegstoten weder von privater noch öffentlicher Seite eine eigenständige Sprache entwickelt worden. Die Erinnerung an die Gefallenen blieb in der Zeit des Absolutismus ausschließlich an den Ruhm des Herrschers gebunden. Mit einem vom preußischen König 1793 gestifteten Steinblock mit Trophäen, auf dem die Namen der im Kampf gegen französische Revolutionstruppen gefallenen hessischen Soldaten, nach militärischen Dienstgraden geordnet, verzeichnet sind, wurde der Grundstein für eine Entwicklung gelegt, auf die in der Folgezeit verstärkt auch bürgerliche Interessengruppen Einfluss nahmen. Kirchen, Friedhöfe, Parkanlagen und Schlachtfelder wurden bevorzugte Aufstellungsorte für solche Erinnerungsmale.

Mit der Reichsgründung 1871 wurde diese Denkmalsgattung die quantitativ stärkste Gruppe öffentlicher Monumente in Deutschland. Kulturhistorisch sind Kriegerdenkmäler Zeitzeugen. Sie erinnern an lang zurückliegende Geschehnisse, sie dokumentieren durch ihre Gestaltung und Inschriften den Geist ihrer Zeit.

Für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Betriebsangehörigen der Firma Sinner gestaltete der Bildhauer Hermann Binz 1922 das Denkmal ganz im Stile des Neoklassizismus in blockhafter Vereinfachung, mit Rückgriff auf einen der Antike entlehnten Grabmaltypus. Dieser wurde in den frühen Jahren der Weimarer Republik gepflegt, im Besonderen in Karlsruhe, der Stadt Weinbrenners. Auf einem zweistufigen Podest erhebt sich ein würfelförmiger Block. Den Abschluss bildet ein überragendes Kranzgesims mit zurück springender Plinthe auf der ein mit Eichenlaub verzierter antiker Helm ruht. Das Ganze ist aus Muschelkalk ausgeführt. Auf den Seitenflächen des Würfels sind die 128 Namen der im Kriege gefallenen Mitarbeiter alphabetisch eingetragen: links die Gefallenen des Stammhauses in Grünwinkel, rechts die der Mitarbeiter der einzeln aufgeführten Zweigwerke.

Das Sinner-Denkmal vor dem Haupteingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Brauereien Sinner und später Moninger.

Das Sinner-Denkmal vor dem Haupteingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Brauereien Sinner und später Moninger.

Auf der Vorderseite ist eingemeißelt: „Unseren im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen lieben Mitarbeitern zum dankbaren und ehrenden Gedächtnis/Sinner A.G.“ Für die Rückseite, ganz im Zeichen der Zeit und zur neoklassizistischen Stilrichtung passend, wählten die Auftragsgeber ein Zitat aus der Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre.“

Als Standort wählte man den Vorgarten vor dem damaligen Verwaltungsgebäude in der Durmersheimer Straße. Damit war der Bezug zum Unternehmen und durch die Nähe der Straße auch die Einbeziehung der Öffentlichkeit hergestellt.

Am 19. September 1922 fand unter Anwesenheit des gesamten Personals und vieler Einwohner Grünwinkels die Enthüllungsfeier statt. Nachdem der Seniorchef der Sinner AG, Geh. Kommerzienrat Dr. Robert Sinner, in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Denkmals und der im Krieg gefallenen Mitarbeiter verwiesen hatte, übergab er das Wort an Direktor Dr. Günther zu einer im Geist der damaligen Zeit eindrucksvollen Weiherede. Im Verlauf dieser Rede forderte Dr. Günther dazu auf: „nicht in ein mit dem Säbel rasselndes und Hurra schreiendes Deutschtum zu verfallen, sondern in ein Deutschtum, das uns aus der Sklaverei des Versailler Diktats befreit und uns die Gleichstellung mit den anderen Völkern der Welt verschafft.“