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gesprochen von Markus Kambeck

Bauschmuck an der neuen Volksschule.

 Die neue Volksschule in Grünwinkel wurde in zwei sich zeitlich überlappenden Bauabschnitten erstellt. Zwischen der Eröffnung des ersten Abschnitts am 1. Juni 1937 und der Fertigstellung des zweiten Teils am 10. Februar 1938 fand am 11. Dezember 1937 ein offizielles Richtfest statt. Kurz zuvor, am 23. Oktober, hatte die „Badische Presse“ einen großen Bericht über das neue Schulhaus veröffentlicht. Darin heißt es u.a.: „Außerdem enthält das Schulhaus auch reichen künstlerischen Schmuck in Gestalt von hübschen Bildern, Gemälden und Plastiken, unter denen diejenigen eines Hitlerjungen und eines gesunden deutschen Mädels besonders ins Auge fallen.“ Die nationalsozialistische Zeitung „Der Führer“ hatte im Bericht zur Eröffnung am 4. Juni 1937 lediglich auf die „steingewordene Biene“ über dem Eingang an der Hopfenstraße als Symbol für „Fleiß, Treue und Reinheit“ und ein Wandgemälde im Treppenhaus hingewiesen, das das Schaffen und Bauen der deutschen Jugend zeige. Die Figuren oberhalb des Eingangs zur Turnhalle werden nicht erwähnt, sie waren wohl im Herbst 1937 noch nicht angebracht. Zu der Inschrift zwischen dem HJ­Jungen und dem BDM­Mädel gibt es keine Informationen. Über den oder die Künstler, die die Kunstwerke geschaffen hatten, berichteten beide Zeitungen nicht und auch die Akten geben darüber keine Auskunft.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gingen Grünwinkler Schülerinnen und Schüler lange Jahre unter diesen beiden Skulpturen in ihre Schule. Heute überdecken zwei Sandsteinplatten mit dem Karlsruher Stadtwappen und dem Grünwinkler Wappen die Skulpturen über dem Schuleingang.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gingen Grünwinkler Schülerinnen und Schüler lange Jahre unter diesen beiden Skulpturen in ihre Schule. Heute überdecken zwei Sandsteinplatten mit dem Karlsruher Stadtwappen und dem Grünwinkler Wappen die Skulpturen über dem Schuleingang.

Unverdeckt sind das Mädchen un der Junge über dem links danebenliegenden Eingang zur Schulturnhalle.

Unverdeckt sind das Mädchen un der Junge über dem links danebenliegenden Eingang zur Schulturnhalle.

Heute noch vorhanden sind die Biene und die Plastiken über dem Eingang zur Turnhalle. Die Wandbilder im Innern existieren nicht mehr. Nicht mehr sichtbar sind auch die Figuren des HJ­Jungen und des BDM­Mädels. Sie sind hinter schweren Sandsteinplatten verborgen.

Das Verschwinden der nationalsozialistischen Zeichen an der Schule erfolgte nur in Etappen. Nach der bedingungslosen Kapitulation der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland verfügten die alliierten Besatzungsmächte „die Liquidierung deutscher militärischer und Nazi-Denkmäler“ wie auch die Änderung von Straßen- und Schulbenennungen nach Nationalsozialisten. Demzufolge legte die Schule ihren Namen „Wilhelm­Gustloff­ Schule“ ab und es wurde die Inschrift auf der mittleren Tafel unkenntlich gemacht. Vorerst unangetastet blieben die beiden Figuren auf dem Türsturz. Offensichtlich hielt man sie damals nicht für eindeutige NS­Kunst. Ob das Hakenkreuz auf dem Koppelschloss des Jungen ebenfalls in der unmittelbaren Nachkriegszeit abgemeißelt wurde oder erst später, ist nicht mehr zu klären.

Als sich zu Beginn der 1980er Jahre ein Bürger über die beiden „Symbolfiguren des deutschen Faschismus“ bei der Stadtverwaltung beschwerte, befasste sich die Verwaltungsspitze mit der Frage. Zudem trafen sich schulpolitische Vertreter der Fraktionen im Gemeinderat und der Schulbürgermeister zu einer Besichtigung vor Ort. Es wurde dann beschlossen, „um unnötige politische Auseinandersetzungen zu vermeiden … diese [Figuren] zu entfernen.“ Im April 1985 antwortete der zuständige Schulbürgermeister einem Bürger auf dessen Frage, warum die Plastiken erhalten geblieben seien: „Ganz zweifellos stellen die beiden Figuren einen Hitler­Buben und ein BDM­Mädchen dar, enthalten jedoch keine nazistischen Kennzeichen. Ihre Bekleidung könnte ebensogut die Bekleidung aus der Zeit des Wandervogels sein, die ja von den Nationalsozialisten für die Hitlerjugend übernommen wurde.“ Die Figuren würden aber in den kommenden Sommerferien entfernt. Sie wurden nicht entfernt, sondern mit Sandsteinplatten verdeckt. Unbeanstandet und erhalten geblieben sind bis heute die Figuren über dem Eingang zur Turnhalle.